LUCY - Eine tragische Geschichte...

Lucy kam im März 2012 in Sofia zur Welt. Im Alter von ca. 4 Wochen wurde Lucy von einer Frau gerettet, gerade als ein Hund das kleine Kätzchen töten wollte.

Lucy trug schwere Verletzungen der Hinterbeine und des Ausscheidungssystems davon. Ein Hinterbein musste leider amputiert werden und das Zweite wurde fälschlicherweise für intakt gehalten.

So lebte Lucy mehrere Monate lang, inkontinent, mit einer ständig offenen Amputationswunde, einem verletzten verbliebenen Hinterbein das nie behandelt wurde, einer massiven Blasenentzündung, Giardien und auch ansonsten völlig unzureichend medizinisch versorgt auf einer "Pflegestelle" in Bulgarien.

Weil sie offensichtlich nicht richtig behandelt wurde, war im Oktober 2012 eine Reamputation nötig. Wieder wurde die Operationswunde nicht ausreichend versorgt und entzündete sich stark, es bildeten sich auch Geschwüre an der Wunde.

Für Lucy wurde, weil angeblich ihre Vermittlungschancen in Österreich besser wären, eine Pflegestelle hier gesucht. Von Lucys bewegter Vergangenheit wurde uns der Großteil verschwiegen. Es hieß, es würde eine Pflegestelle für eine 3beinige Katze gesucht die ansonsten gesund wäre. Lediglich die Inkontinenz wäre noch ein Thema, hier zeigt sich aber eine positive Genesungstendenz - so wurde es uns mitgeteilt.

Lucy kam dann am 22.11.2012 zu mir in Pflege.

Lucy bewegte sich nur mit Hilfe ihrer Vorderpfoten, das verbliebene Hinterbein war praktisch nur "Zierde". Ich stellte fest, dass Lucys Wunde nicht verheilt war und immer wieder aufriss - kein Wunder schleifte ihr Hinterteil auch ständig am Boden. Zudem verlor sie völlig unkontrolliert Urin und Kot.

Ich konsultierte meinen Tierarzt. Dieser erkannte sofort, dass er Lucy nicht helfen konnte und schickte mich in die Vet Med Uniklinik. Dort wurde mir mitgeteilt, dass Lucy eine Operation bräuchte um ein Gelenk ihres Hinterbeins zu versteifen weil sie es ansonsten nie mehr benutzen können werde. Es wurden Behandlungskosten von etwa 2000 Euro veranschlagt - ohne Garantie ob die Operation überhaupt etwas bringen würde.

Um eine zweite Meinung einzuholen, war ich gemeinsam mit Renate Wimmer von der Pfötchenhilfe am 3. Dezember 2012 bei Herrn Doktor Schlemmer, der uns von verschiedenen Seiten empfohlen wurde. Es wurden Röntgenbilder gemacht, Lucy wurde sehr gründlich untersucht und es wurde auch Blut abgenommen. Der FIP- und der FELV-Test waren glücklicherweise negativ. Dr. Schlemmer bestätigte die Diagnose von der Vet Med und empfahl uns an einen Chirugen weiter. Selbst sah er sich nicht in der Lage die Behandlung vorzunehmen, Dr. Schlemmer meinte Lucy wäre ein Fall mit dem nur sehr wenige Ärzte zurechtkämen. Natürlich begann sofort eine Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten und Antibiotika um die entzundene Wunde zu behandeln und weitere Infektionen zu verhindern.

In weiterer Folge wurde Lucy in der Tierklinik Breitensee von Dr. Kopf behandelt. Er machte verschiedenste Test und Untersuchungen und empfahl uns schlussendlich es anstatt mit einer OP mit Physiotherapie zu versuchen. Dr. Kopf hat uns hervorragend beraten und sich kompetent und rührend um Lucy bemüht.

Um Lucy Zugang zur gesamten Wohnung gewähren zu können, und um ihr offene Wunde zu schützen und zu "polstern" begann ich Lucy zu wickeln. Das funktionierte bereits nach kurzer Zeit ganz fantastisch. Ihr Wunde wurde jedesmal beim Wickeln gereinigt, desinfiziert und eingecremt und so verheilte Lucys Wunde nach einer Weile. Lucy wurde noch wilder und lustiger als sie es ohnehin schon war und tobte fröhlich durch die Wohnung. Sie sprang herum und erklomm, trotz ihrer Behinderung, problemlos den deckenhohen Kratzbaum. Es war herrlich zu sehen, wie lebenslustig Lucy war, trotz allem was ihr bereits widerfahren war.

In der Praxis Tragauer hatten wir fortan 2 mal pro Woche Physiotherapietermine. Lucy sprach auf die Physiotherapie sehr gut an und wir durften hoffen, dass Lucy in einigen Monaten ganz normal auf 3 Beinen durchs Leben gehen würde. In der Praxis Tragauer ließ ich so nach und nach weitere Untersuchungen durchführen. Hier wurde dann eine massive Blasenentzündung festgestellt die mit Antibiotika behandelt werden musste. Anhand eines Antibiograms zeigt sich, dass Lucy in Bulgarien wohl wahllos mit verschiedensten Antibiotika behandelt wurde, und sie unglaublich viele Resistenzen entwickelt hatte. Schlussendlich fand man endlich die Antibiotika-Kombination auf die Lucy ansprach. Blutbefunde zeigten dann, dass wohl ebenfalls aufgrund der wahllosen Verabreichung von Medikamenten, Lucys Leber geschädigt war. Fortan bekam sie Diätfutter und Nahrungmittelzusätze die den Schaden wieder beheben sollten.

Zwischenzeitlich begann Lucy zeitweise "unpässlich" zu sein. Da eine massive Blasenentzündung schon ein guter Grund für Unwohlsein sein kann, bekam Lucy um die Nieren zu entlasten bei der Phyiotherapie dann auch immer Infusionen um ihren Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu halten.

Um sicher zu gehen, dass die medikamentöse Behandlung der Blasenentzündung erfolgreich war, und um sich ein Bild über die Schädigung von Lucys Ausscheidungssystem zu machen wurde ein Termin für eine Ultraschalluntersuchung vereinbart.

In den 2 Wochen in denen wir auf den Ultraschalltermin warteten, verschlechterte sich Lucys Zustand mehr und mehr. Ich war ratlos, ebenso die Tierärtzin - es schien keinen Grund zu geben, warum es Lucy plötzlich tageweise immer wieder nicht gut ging.

Am 28.2.2013 fand dann die Ultraschalluntersuchung statt. Das Ergebnis war nicht eindeutig, aber beunruhigend. Festgestellt wurde eine vergrößerte Milz, vergrößerte Lymphknoten, verbreiterte Dünndarmwände und Ablagerungen in der Blase.

Wir beschlossen eine Behandlung mit Cortison zu beginnen, so sollten die entzundenen Lymphknoten behandelt werden. Wir hofften, dass eine Biopsie zu einem späteren Zeitpunkt zeigen würde, dass es sich nicht um Tumore handelte.

Lucys Zustand verschlechterte sich rapide, weshalb dann am 13.3.2013 eine Laparatomie und eine Gewebeuntersuchung gemacht wurden. Es wurde maligne Veränderungen in einem Ausmaß festgestellen die verheerend waren. Gemeinsam mit dem operierenden Tierarzt beschloss ich Lucy nicht mehr aus der Narkose aufwachen zu lassen. Alles andere wäre Tierquälerei gewesen.

Ich kann nicht beschreiben wie schmerzhaft es war, Lucy gehen lassen zu müssen. Nach einem äußerst unschönen Start ins Leben, folgten schlimme Monate für Lucy. Dann ging es endlich bergauf mit ihr. Sie lernte auf 3 Beinen zu gehen, sie konnte erstmals ein normales ausgelassenes Katzenleben führen, die schmerzhafte Blasenentzündung war behandelt und es gab keine offene schmerzende Wunde mehr. Lucys hatte keine der gefürchteten Katzenkrankheiten FIV, FIP oder FELV. Der Verein Pfötchenhilfe, das Handicats-Katzenforum, 2ndChance4Cats und etliche private Spender nahmen Anteil an Lucys Schicksal. Sie kamen die entzückende Lucy besuchen, wollten sie kennenlernen und Lucy verzauberte sie alle. Alle gemeinsam schafften wir es die etwa 1500 Euro für Lucys Behandlung aufzutreiben.

Für so viel Ungerechtigkeit fehlen einem die Worte.

Als eigentlich alles gut sein sollte, endete Lucys kurzes Leben am 13.3.2013.........